Kredit für Studenten: Studienhilfe oder Schuldenfalle?

GeldscheinSeit 2005 bieten mehr und mehr Banken Kredite für Studenten an, die bei der Finanzierung des Studiums helfen sollen. Schon nach einem dreijährigen Bachelorstudium sammeln sich jedoch mit einer Förderung von 300 Euro monatlich über 10.000 Euro Schulden an, die mit Zinsen zurückgezahlt werden müssen. Lohnt sich dieser Weg für junge Menschen, die sich ein Studium nur auf diesem Weg leisten können?

Junge Erwachsene, die während ihres Studiums weder von ihren Eltern unterstützt werden können noch BAfög oder Stipendium erhalten, bleibt oft nur eine Option: der sogenannte Studienkredit. 

Je nach Bedarf kann der Studierende mit den Kreditinstituten eine Auszahlung von mehreren Hundert Euro im Monat vereinbaren oder lediglich die einmal im Semester anfallenden Studiengebühren von der Bank bezahlen lassen.

Auch die Zinsen und Rückzahlungsmodalitäten sind abhängig von Bank, Auszahlungszeit und späterem Einkommen. Wer sich also zur Aufnahme eines Kredits entschließt, muss sich gut informieren, um tatsächlich ein für ihn günstiges Angebot  zu finden. Die StiftungWarentest hat deshalb 2012 alle verschiedenen Kreditoptionen auf den Prüfstand gestellt, um die besten und billigsten Angebote ausfindig zu machen.

Teuerster Anbieter auf dem Markt ist derzeit die Deutsche Bank, die zwar hohe Kredite (bis 800 Euro monatlich) vergibt, diese aber auch mit einem Zinssatz von knapp 8 Prozent wieder abstottern lässt. Als günstigstes Kreditinstitut entpuppten sich dagegen die Vereinigten Raiffeisenbanken mit einem Zinssatz von nur 3,76 Prozent.

Den Anstoß zur Vergabe von Studienkrediten gab 2005 die Einführung der Studiengebühren in insgesamt sieben Bundesländern. Obwohl mittlerweile fast alle Länder von diesem Beschluss wieder Abstand genommen haben, nehmen derzeit etwa 5 Prozent der Studenten die Möglichkeit des Studienkredits weiter wahr; ein verschwindend geringer Anteil nimmt das Kredit aufnehmen als Student wahr – so zeigt ein Blick auf die USA, wo etwa 95 Prozent der Absolventen hoch verschuldet aus dem Studium scheidet.

Ulrich Müller vom Centrum für Hochschulentwicklung (CHE) hält deshalb die Situation in Deutschland für durchaus zumutbar: „Ich mache keine Werbung für Studienkredite. Aber es wäre auch falsch, pauschal davon abzuraten. In den USA reden wir von 40.000 Dollar Kreditvolumen und mehr. Da ist die Gefahr einer Überschuldung deutlich größer,“ sagte er 2012 gegenüber der ZEIT. Ähnlich ist auch die Stimmung in den deutschen Internetforen, auf denen sich Studenten, die einen Kredit in Anspruch nehmen, über ihre Erfahrungen austauschen.

Zwar gilt unter den Betroffenen der Kredit zur Finanzierung des Studiums stets als absolute Notlösung, die meisten Studienabgängern berichten jedoch von einer weitestgehend problemlosen Rückzahlung ihrer Schulden. Nur im Falle von Arbeitslosigkeit oder Studienabbruch kann der Kredit in die Schuldenfalle führen: Denn nach einer zweijährigen Ruhephase wird das Geld trotzdem fällig. Nur wenn der Studierende sein Geld von einem Bildungsfonds erhält, wird im Härtefall die Schuld erlassen. Alle anderen Kreditgeber erklären sich höchstens zu einer Verschiebung der Rückzahlungsfrist bereit; über diese Zeit sammeln sich dann allerdings weitere Zinsen an.