Vorfälligkeitsentschädigung – Eine Definition

Der Kreditvertrag regelt alle wichtigen Vereinbarungen, die zwischen dem Kreditgeber und dem Kreditnehmer getroffen werden. Hierunter fallen auch sämtliche Abreden, die sich auf die Rückführung des Darlehens beziehen. Verstößt der Kreditnehmer bei langfristigen Krediten gegen die ihm auferlegten Pflichten und zahlt die ihm gewährte Summe außerplanmäßig noch während der Zinsfestschreibungszeit zurück, kann der Kreditgeber den hieraus entstandenen Schaden in Rechnung stellen. Voraussetzung hierfür ist allerdings, dass die Möglichkeit der vorzeitigen Rückzahlung im Kreditvertrag nicht festgehalten wurde.Grundsätzliches zur Vorfälligkeitsentschädigung
Die Vorfälligkeitsentschädigung (VFE) entsteht immer dann, wenn der Kunde ein Festzinsdarlehen kündigt. Im Rahmen dieser Darlehen ist das Finanzinstitut vertraglich dazu verpflichtet, die Zinsen für die gesamte Dauer des vereinbarten Zinsfestschreibungszeitraums auf konstantem Niveau zu halten. Dies wird durch eine fristenkongruente Refinanzierung möglich, bei der die Bank die erhaltenen Einlagen zum jeweiligen Marktzins verwendet. Die vorzeitige Rückzahlung des Darlehens lässt damit gleich zwei Arten von Schaden entstehen: den Refinanzierungsschaden und den Margenschaden.Basis zur Berechnung der Vorfälligkeitsentschädigung
Der Refinanzierungsschaden ergibt sich aus der Struktur der Refinanzierung: Muss die Bank die durcheine vorzeitige Rückzahlung erhaltenen Gelder zu einem anderen Marktzins als dem ursprünglich geltenden anlegen, macht die auf die Restlaufzeit bezogene Differenz den Schaden aus. Als Margenschaden hingegen wird die Minderung des Gewinns bezeichnet, welchen die Bank im Falle einer frühzeitigen Darlehensrückführung in Kauf nehmen muss. Es handelt sich hierbei um einen Verlust am künftigen Ertrag, der auf der Basis der geringeren Verzinsung der Einlagen gegenüber der Kredite entsteht. Diese Differenz steigt mit der Laufzeit des Vertrags. Als Basis zur Berechnung der VFE wird der Gesamtschaden der Bank herangezogen. Dieser setzt sich aus den beiden angeführten Komponenten zusammenAnaloge Anwendung der Regeln für die Vorfälligkeitsentschädigung 
Den Ersatz des entstandenen Schadens kann das Finanzinstitut nicht nur im Rahmen einer Darlehensrückführung innerhalb des Zinsfestschreibungszeitraums geltend machen. Die Regeln für die VFE werden darüber hinaus auch angewandt, wenn die Kündigung des Kunden noch vor der Auszahlung des Darlehens eingeht. In diesem Fall handelt es sich um die sogenannte Nichtabnahmeentschädigung. Doch auch dann, wenn die Kündigung des Vertragsverhältnisses durch die Bank erfolgt, entsteht ein Schadenersatzanspruch, welcher analog zur VFE berechnet wird. Voraussetzung für die analoge Anwendung der entsprechenden Regeln ist allerdings ein Verstoß des Kreditnehmers gegen die ihm vertraglich auferlegten Pflichten.